Wahlticker
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Alles zu den Wahlhelfenden
Wahlhelfende sind wahlberechtigte, mindestens 16 Jahre alte Bürger*innen, die bei der Durchführung von Wahlen mithelfen. Sie melden sich ehrenamtlich und werden von den Gemeinden in die Wahlvorstände berufen, welche für die ordnungsgemäße Durchführung der Wahl verantwortlich sind. Ihre Einsatzorte sind unterschiedlich: Manche von ihnen sind im Wahlraum, andere im Briefwahlzentrum tätig. Am Ende sorgen sie maßgeblich dafür, dass alles rund läuft und alle ihr Recht wahrnehmen können, sich an der Wahl zu beteiligen.
Zu ihren Aufgaben gehören der Check der Wahlberechtigung, die Ausgabe der Stimmzettel und Vermerk der Teilnahme, die Freigabe der Wahlurne und schließlich die Ermittlung und Feststellung des Wahlergebnisses. Sie sind also von Anfang bis Ende dabei! Aber keine Sorge: Wahlhelfende müssen nicht den ganzen Tag arbeiten – es gibt oft Schichtdienste. Nach Schließung der Wahllokale um 18:00 Uhr beginnt die Auszählung der Stimmen, die bis in die Nacht dauern kann. Hier sind dann alle gefragt.
Für den Einsatz sind keine Vorkenntnisse nötig. In aller Regel gibt es Schulungsmaterial – manchmal schriftlich, manchmal in Videoform, manchmal auch als eigene Lernplattform. Meist erfolgt die Bewerbung für den Einsatz online.
Der Einsatz als Wahlhelferin: Bernadette & Meike
Wir haben mit zwei Wahlhelferinnen über ihre Beweggründe für den Einsatz und über ihre Erfahrungen gesprochen. Beide kommen aus dem Ruhrgebiet und haben schon mehrfach als Wahlhelfende gearbeitet.
Warum habt ihr euch entschieden, Wahlhelferinnen zu sein?
- Bernadette: Für mich gab es einen großen und daneben einen kleineren, aber wahrscheinlich ebenso wichtigen Grund: Der Hauptgrund war der Wunsch, bewusst zum Erhalt der Demokratie beizutragen. Ich traute mir das aktive politische Amt sowohl inhaltlich als auch zeitlich nicht zu, wollte aber trotzdem aktiv werden. Da fiel mir die Möglichkeit ein, Wahlhelferin zu werden. Der zweite Grund ist, dass ich neugierig war, wie genau dieser Wahlprozess „hinter den Kulissen“ abläuft.
- Meike: Ich bin als Erzieherin bei der Stadt angestellt. In dieser Position kann ich als Wahlhelferin verpflichtet werden und so war ich schon einige Male dabei. Man fängt „klein“ an als Beisitzerin, später wurde ich dann Schriftführerin und bei den letzten zwei Wahlen war ich im Wahlvorstand.
Ist es dir wichtig, dass du mit deiner Rolle Teil des demokratischen Prozesses bist?
- Meike: Ja, ich finde es wichtig. Meine Arbeit bei den Wahlen hat sicherlich einen großen Teil dazu beigetragen, dass mir bewusst geworden ist, wie wichtig es ist, für die Demokratie aufzustehen und aktiv zu werden.
- Bernadette: Ja absolut, das ist mir das Allerwichtigste. Die Demokratie ist gefährdet. Das kann ich natürlich mit einem Sonntag im Wahllokal nicht unmittelbar ändern, aber ich kann dazu beitragen, dass Wahlen weiterhin demokratisch ablaufen.
Wie war das für dich? Würdest du es nochmal machen?
- Meike: Ich habe mich bewusst dazu entschieden meine Pflicht im Briefwahlzentrum auszuüben und würde es immer wieder so machen.
- Bernadette: Bislang habe ich es jedes Mal sehr gerne getan und ich würde und werde es auch wieder tun - dieses Jahr im Herbst bei der Kommunalwahl. Mittlerweile kenne ich die Abläufe schon ganz gut, bin nicht mehr aufgeregt vorher, gehe sehr offen auf die anderen Wahlhelfer*innen sowie die Wählenden zu und bringe auch eigene Ideen ein, wie das Wahllokal ein Ort sein kann, an dem jede*r die Möglichkeit hat, möglichst barrierereduziert die Stimme abgeben zu können.
Spielt es für dich eine Rolle, dich als Frau an diesem politischen Prozess zu beteiligen?
- Bernadette: In allem, was ich tue, spielt mein Frausein eine Rolle. Mich an politischen Prozessen zu beteiligen ist für mich als Frau nochmal doppelt wichtig. Denn wenn wir das Feld den Männern überlassen, dann wird weiterhin Politik von weißen Männern für weiße Männer gemacht. Ich möchte diesen Raum als Frau einnehmen, wahrgenommen werden, mitmachen.
- Meike: Natürlich spielt es immer eine Rolle sich als Frau dort zu beteiligen. Ein Großteil der aktuell geführten Politik wird von weißen, reichen Männern für weiße, reiche Männer gemacht. Mich aktiv in der Politik zu beteiligen ist für mich durch meine sozialen Phobien keine Möglichkeit, aber als Parteimitglied und als Wahlhelfer*in kann ich meinen Teil dazu beitragen, dass sich etwas ändert.
Was würdest du anderen Frauen raten, die vielleicht politisch interessiert sind, aber bisher nicht aktiv geworden sind?
- Meike: Wer als Wahlhelfer*in einsteigen möchte, dem kann ich das Briefwahlzentrum wirklich empfehlen. Es ist entspannter und ohne Publikumsverkehr, man kann sich wirklich auf die Aufgabe konzentrieren.
- Bernadette: Ich würde raten, was ich für mich selbst bräuchte, um politisch noch aktiver zu sein: Lasst uns finden, gemeinsam überlegen und schauen, was für jede Einzelne von uns die beste Art der politischen Partizipation ist. Es gibt so viele Möglichkeiten, sich einzubringen!
Danke euch beiden für euren Einsatz und eure Zeit!
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