Wahlticker
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Die Bedeutung von Wahlen und Wahlbeteiligung – insbesondere für Frauen
Entscheidungen, die in kommunalen Gremien getroffen werden, wirken sich konkret auf das tägliche Leben aus – und oft werden dabei die Interessen von Frauen nicht ausreichend berücksichtigt. Wie die Autorin Caroline Criado-Perez treffend formuliert: „Männliche Erfahrungen und Perspektiven werden als universell angesehen, während weibliche Erfahrungen – also die Erfahrungen der Hälfte der Weltbevölkerung – als Randerscheinung wahrgenommen werden.“
Vermeintliche Neutralität
Wenn wir glauben, dass Geschlecht in der Politik keine Rolle spielt, überlassen wir wichtige politische Entscheidungen weiterhin den Standards, die von Männern gesetzt werden und die gleichzeitig als geschlechtsneutral gelten. So bleibt die politische Bühne dominiert von Männern, die entscheiden, was relevant ist – oft ohne ihre eigene Positionierung zu reflektieren: Frauen wird manchmal vorgeworfen, sie würden Politik „für sich“ machen, und sie wären deswegen weniger allgemein kompetent oder weniger versiert. Währenddessen machen Männer Politik, von der sie nicht selten überzeugt sind, sie wäre für alle – während sie ihre eigene Positionierung nicht reflektieren und am Ende ihre eigenen Interessen vertreten.
Auch Männer betreiben Politik aus einer subjektiven Perspektive. Nur werden ihre Sichtweisen nicht als solche markiert, da sie die Norm darstellen.
Ungleiche Auswirkungen
Im Alltag gewöhnt man sich an viele Unstimmigkeiten – an den überfüllten Bus, die hohen Ticketpreise, den Mangel an KiTa-Plätzen oder die defekte Beleuchtung auf dem Heimweg. Doch all diese Umstände betreffen Frauen unverhältnismäßig häufig. Ein Blick auf die statistischen Daten zeigt beispielsweise, dass Frauen häufiger den öffentlichen Nahverkehr nutzen und oft mehrere miteinander verbundene Wege zurücklegen. Doch die Verkehrsplanung wird in der Regel von Männern dominiert – auch weil sie in der Kommunalpolitik stärker vertreten sind –, welche wiederum statistisch gesehen häufiger mit dem Auto unterwegs sind. Das führt dazu, dass Aspekte wie eine gute Bahntaktung oder Linienführung zu wenig Priorität bekommen, während Autobahnen und Straßen ausgebaut werden.
Von diesen Beispielen gibt es viele. Sie eint, dass bei der politischen Entscheidung davon ausgegangen wird, dass Geschlecht keine Rolle spielt. Kombiniert sich das mit der Abwesenheit derjenigen, die es aus persönlichen Erfahrungen besser wissen, entstehen am Ende Entscheidungen, an denen aus der Perspektive der einen nichts auszusetzen und die aus der Perspektive der anderen fehlgeleitet sind.
Wir brauchen möglichst viele Perspektiven
Viele Missstände werden erst dann sichtbar, wenn sie Teil des eigenen Lebens sind. Daher profitieren wir als Gesellschaft davon, wenn diejenigen in Entscheidungspositionen nicht alle dieselbe Brille mitbringen. Je vielfältiger die Besetzung politischer Ämter, desto eher schaffen wir ein Umfeld, in dem keine Gruppe übermäßig bevorteilt und andere benachteiligt wird. Frauen sind nicht qua Geschlecht die besseren Politiker*innen. Aber sie bringen ihre eigenen Erfahrungen und Perspektiven mit, die den (männlich geprägten) Status Quo herausfordern. So können Themen aus neuen Blickwinkeln betrachtet werden – zum Nutzen der Gesamtheit.
Wahlen bieten uns die Möglichkeit, aktiv mitzubestimmen, wie unser gesellschaftliches Miteinander aussieht. In einer repräsentativen Demokratie bedeutet das, dass wir durch unsere Stimme Menschen in Machtpositionen wählen, die unser Wohl vertreten und sich für unsere Interessen einsetzen. Politik bestimmt viele Bereiche unseres Alltags, und deshalb ist es so wichtig, dass wir unser Wahlrecht wahrnehmen – und auch selbst den Schritt wagen, uns zur Wahl aufstellen zu lassen.
Vor etwas mehr als 100 Jahren gab es diese Möglichkeit für Frauen nicht. Viele Großmütter oder Urgroßmütter heutiger Wählerinnen sind noch ohne (aktives und passives) Wahlrecht geboren worden und waren von den Entscheidungen der Männer abhängig. Gerade vor diesem Hintergrund sollten wir uns vor Augen halten, was für ein Privileg es ist, politisch mitmischen zu können.
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